UNION Schweizerischer Komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen

Impf-Kodex der UNION

Schul- und Komplementärmediziner sind gleichermassen von der Frage betroffen, welche Impfungen zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind. Impfungen sollen Infektionskrankheiten verhindern, können aber in Einzelfällen zu schweren Nebenwirkungen führen.

Impfgespräch und medizinische Untersuchung

Im Sinne des «Empowerments» informieren die Ärzte die Patienten, die Eltern oder die erziehungsberechtigten Personen offen über den Verlauf von Infektions- und Kinderkrankheiten und über den Nutzen und die Risiken von Impfungen. Gleichzeitig ist der Gesundheitszustand der Person zu untersuchen, die geimpft werden soll. Die Ärzte müssen individuell abklären, welche Impfungen aktuell möglich und sinnvoll sind. Ein geschwächtes Immunsystem oder eine familiäre Allergiedisposition können gegen Impfungen oder für ein Verschieben des Impftermins sprechen.

 

BAG-Empfehlungen

Das Bundesamt für Gesundheit BAG weist in den Richtlinien und Empfehlungen zum Impfplan 2007 auf mögliche (anaphylaktische) Reaktionen des Immunsystems hin. Gemäss dem BAG ist eine Impfung bei einer schweren akuten Erkrankung zu verschieben. Ärzte der Komplementärmedizin be-handeln mehr chronisch kranke Patienten als Schulmediziner. Bei chronisch kranken Patienten oder bei Personen mit einer Allergiedisposition sind die Impfreaktionen und Nebenwirkungen schwer abschätzbar. Generell ist unklar, welche Impfungen das Immunsystem eines geschwächten Patienten verträgt und welche Wechsel-wirkungen zwischen den verschiedenen Kombinations-Impfungen bestehen. 

 

Meldepflicht bei unerwünschten Wirkungen

Das Heilmittelgesetz und die Arzneimittelverordnung verpflichten Ärzte, schwerwiegende oder bisher nicht bekannte unerwünschte Wirkungen und Vorkommnisse sowie Qualitäts-mängel zu melden (HMG Art. 59). Zur Sicherheit ist nach jeder Impfung der verwendete Impfstoff mit Produktionsnummer in der Krankengeschichte und im Impfpass einzutragen. Treten innerhalb von acht Wochen vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) auf, so sind diese zur optimalen Behandlung der Betroffenen und zum Schutz anderer Patienten so schnell wie möglich an das regionale Pharmacovigilance-Zentrum zu melden. 

Die Union empfiehlt differenziertes Impfen

Die Union setzt sich deshalb für ein differenziertes Impfen ein:

  • Vor einer Impfung ist mit dem Patienten, seinen Eltern oder den erziehungsberechtigten Personen ein ausführliches Impfgespräch zu führen.
  • Die Impfentscheide sind jeweils in Abhängigkeit des Gesundheitszustandes individuell zu fällen.
  • Ist der Gesundheitszustand des Patienten geschwächt oder sind familiäre Allergiedispositionen bekannt, so kann es angezeigt sein, keine Impfungen oder nicht alle Impfungen auf einmal zu verabreichen oder die Impfungen zeitlich zu verzögern.
  • Bei einer gesunden Person kann jede Impfung zu jedem Zeitpunkt nachgeholt werden.
  • Die Erziehungsberechtigten beziehungsweise mündige Patienten entscheiden über die vorzunehmenden Impfungen.
  • Die Impfungen sind zur Sicherheit und Nachverfolgung allfälliger Nebenwirkungen in den Impfpass und die Krankengeschichte einzutragen.

Fehlende Einzelimpfstoffe

Viele Leute sehen sich  faktisch einem Impfzwang gegenüber, weil Einzelimpfstoffe in der Schweiz im Gegensatz zu vielen Ländern im Ausland nicht erhältlich sind. Dies kann dazu führen, dass Patienten oder Eltern ganz auf Impfungen verzichten wollen. Die Union fordert das BAG auf, die Verfügbarkeit von Einzelimpf-stoffen zu gewährleisten, damit differenzierte Impfentscheide mög-lich sind.

 

Impffreiheit

Der Impfentscheid ist grund-sätzlich frei und kann nur von aufgeklärten Personen sachlich getroffen werden.

Die Patienten oder deren gesetz-liche Vertreter sollen, im Sinne eines «Empowerments» gemäss der Definition der Weltgesund-heitsorganisation WHO («Informed Consent»), individuell über vor-zunehmende Impfungen ent-scheiden. Die komplementärmedi-zinischen Ärzte unterstützen ihre Patienten in dieser wichtigen Fra-gestellung umfassend und dif-ferenziert. 

 

UNION, 8. November 2007




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